Erkundung 1: Stadtnatur in der Berliner Mitte

20. Juni 2015

Erkundung 1: Stadtnatur in der Berliner Mitte 
Samstag, 20. Juni 2015, 15.00 – 17.30 Uhr 
 
Eine kleine Gruppe Unbeirrbarer machte sich trotz Regens am Samstagnachmittag, den 20. Juni auf den Weg unter sehr kundiger Führung von Dipl.-Geograf Oskar Neumann die Stadtnatur in der Berliner Mitte zu erforschen. Hier gibt es exotische Pflanzen, die in den damaligen „Park am Fernsehturm“ gepflanzt wurden wie den Lederhülsenbaum mit seinen Dornen am Stamm. Und natürlich jede Menge Ruderalbewuchs, der an den Rändern der Baustellen – und nicht nur da – seinen natürlichen Lebensraum findet. Es gibt einheimische Pflanzen und solche, die sich hier erst seit dem Klimawandel wohlfühlen.
 
Wenn Oskar Neumann mit dem „Klopfschirm“ auf Insektensuche geht, wird das schnell ersichtlich. Aus den einheimischen Büschen und Bäumen purzeln eine Vielzahl von Insekten in den Schirm. Aus den Götterbäumen und Gingkobäumen fällt ein Blatt in den Schirm jedoch kein Tier. Die Ginkobäume sind übrigens Nadelbäume, die ihre Nadeln im Herbst abwerfen und daher bestens geeignet in Mitten der Verkehrsabgase zu überleben. Ein Anwohner berichtete von „unserem Fuchs“, der in den Abendstunden seine Runde dreht. Mit dem Fernglas wurden zahlreiche Vogelarten gesichtet, in Berlin leben mehr Nachtigallen als in ganz Bayern. Die Tiere finden in der Stadtnatur mittlerweile bessere Lebensbedingungen als auf dem aufgeräumten und mit Monokulturen bepflanzten Land. Für die Artenvielfalt sind die vielen wild bewachsenen Ecken zwischen Fernsehturm und Spree von großem Wert.
 
Auch die Vergangenheit des Geländes spielte auf dem Rundgang eine große Rolle. Die älteren Teilnehmenden erinnerten sich daran, dass das hier mal ein richtig feiner Ort war. Hier ging man hin, traf sich und zeigte sich. Die Freiräume waren gepflegt, es gab anspruchsvolle Gastronomie unterm Fernsehturm. Für die Teilnehmenden mit Ost-Berliner Lebenserfahrung ist es nicht schwer sich vorzustellen, dass dieser Ort wieder an Attraktivität gewinnt und ein Zentrum für alle wird. Diese Themen der Erkundung prägten auch die Forderungen an die weitere Entwicklung des Areals. Der Grünraum sollte erhalten bleiben, er sollte gepflegter sein, allerdings im Sinne eines Lebensraum für die städtische Artenvielfalt. Vor allen für die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen und der Stadtgesellschaft soll der Ort ein attraktiver Treffpunkt und Kommunikationsort sein. Eine neue Planung müsste den vielen Bedürfnissen mit einer Gestaltung gerecht werden, die Freiraum lässt und einen gepflegten Rahmen für die unterschiedlichen Nutzungen schafft.

Hier können Sie sich einige Bilder der ersten Erkundung anschauen.

 
Bei allen Erkundungen machen wir Bild- und Tonaufnahmen.